Die Experimentelle Lagerlogistik ist das konzeptuelle Dispositiv meiner künstlerischen Praxis. Ihr Ausgangspunkt ist meine Auseinandersetzung mit Materialien, denen das kollektive Vergessen bereits im Prozess ihrer industriellen Hervorbringung eingeschrieben scheint. Es zeigt sich in einer Ordnung, in der Austausch und Entsorgung gegenüber Dauer und Reparatur privilegiert werden. In der Entwicklung Kassels und seines Umlands zu einem verdichteten Logistikraum wurde diese Ordnung für mich konkret.
Dem setze ich eine Praxis entgegen, die solche Materialien der Verdrängung entzieht. Ich begreife sie nicht als Reststoffe einer verbrauchten Warenwelt und nicht als Rohstoffe neuer Verwertung, sondern als Träger der Arbeit und Zeit, die in ihre Form eingegangen sind. Im behutsamen und spielerischen Umgang werden ihre Widerständigkeit und Eigenlogik wirksam.
Im öffentlichen Vollzug entstehen daraus Arbeiten, die auf die Bergung eines neuen Materialbewusstseins gerichtet sind. Die Experimentelle Lagerlogistik bezeichnet deshalb weder eine Sammlung von Fundstücken noch ein abgeschlossenes Werk. Sie ist ein Verfahren, in dem verdrängtes Material durch künstlerische Aktivierung erneut als Gegenüber in Erscheinung tritt.
Ihr räumlicher Ausgangspunkt war das Atelier für Experimentelle Lagerlogistik, das ich ab 2016 in den Räumen der Nachrichtenmeisterei in der Franz-Ullrich-Straße am Kasseler Kulturbahnhof entwickelte. Aus einem persönlichen Arbeitsraum entstand ein Ort des öffentlichen und kollaborativen Arbeitens, an dem bis zur Kündigung durch die Deutsche Bahn im Jahr 2024 zahlreiche Projekte, Happenings und Performances realisiert wurden.
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